2026-07-23
Fünf Jahre Circular Economy Accelerator: Diese Alumni zeigen, wie aus Ideen Unternehmen werden
Source: Jan Turek/Circular Valley
Fünf Jahre nach dem Start des Circular Economy Accelerators zeigt sich die Wirkung des Programms: Alumni bauen industrielle Produktionsanlagen auf, gewinnen Millionenfinanzierungen und erschließen internationale Märkte. Fünf Beispiele zeigen, wie aus Ideen Unternehmen werden.
Vor fünf Jahren kamen die ersten Startups ins Circular Valley, um am weltweit ersten Präsenz-Accelerator für Kreislaufwirtschaft teilzunehmen. Heute zeigt sich, wie sich viele der Unternehmen seitdem entwickelt haben. Fünf Alumni stehen beispielhaft für die Bandbreite der Entwicklungen – von industrieller Produktion über Millionenfinanzierungen bis hin zu internationalen Kooperationen.

Polycare: Kreislauffähiges Bauen im industriellen Maßstab

Polycare aus Essen (Batch 1) entwickelt wiederverwendbare Mauerwerkssysteme aus zementfreiem Geopolymerbeton. Das Alumni-Unternehmen des ersten Batches hat den Sprung von der Entwicklungsphase in die industrielle Serienfertigung geschafft. Seit Anfang 2025 wird das Bausystem SEMBLA gemeinsam mit dem Lizenzpartner Berding Beton gefertigt. Mit der Anfang 2026 vorgestellten neuen Generation des Systems will Polycare kreislauffähiges Bauen weiter vorantreiben: Die Bausteine lassen sich zerstörungsfrei zurückbauen und wiederverwenden und reduzieren den CO₂-Fußabdruck gegenüber herkömmlichen Bauweisen deutlich. Sie werden dabei im Sinne eines Product-as-a-Service-Modells zu Verfügung gestellt und nach der Nutzung wieder zurück genommen.

Bioweg: Biobasierte Alternativen statt Mikroplastik

Seit der Teilnahme am zweiten Batch hat Bioweg wichtige Schritte in Richtung Industrialisierung gemacht. Das Unternehmen aus Elsdorf entwickelt biologisch abbaubare Alternativen zu Mikroplastik auf Basis bakterieller Cellulose, die aus Reststoffen der Lebensmittelindustrie gewonnen wird. 2025 schloss das Unternehmen eine Series-A-Finanzierung über 16 Millionen Euro ab und erhielt gemeinsam mit der TU Berlin zusätzlich 1,5 Millionen Euro SPRIND-Förderung. Derzeit entsteht gemeinsam mit einem großen Zuckerproduzenten Deutschlands erste industrielle Produktionsanlage für bakterielle Cellulose im Rheinischen Revier. Durch die Teilnahme am Circular Economy Accelerator Programm vernetzte sich Bioweg mit der Bayer AG und hat dadurch am Bayer Science Hub Monheim eine Heimat gefunden hat.
Source: Jan Turek/Circular Valley
R3 Robotics: Automatisierte Demontage für die Elektromobilität

Das Luxemburger Unternehmen R3 Robotics (Batch 5) entwickelt automatisierte Systeme für die Demontage von Batteriepacks, E-Antrieben und Leistungselektronik. Seit der Teilnahme am fünften Batch hat sich das Luxemburger Unternehmen – damals noch unter dem Namen Circu Li-ion – deutlich weiterentwickelt. Anfang 2026 schloss das Unternehmen eine Finanzierung über insgesamt 20 Millionen Euro ab. Gleichzeitig arbeitet R3 Robotics mit Industriepartnern wie Fortum Battery Recycling sowie im Rahmen eines EUREKA-Projekts gemeinsam mit KUKA und dem Swiss Battery Technology Centre an der Weiterentwicklung und dem industriellen Einsatz seiner Technologie.

Agrona: Landwirtschaftliche Reststoffe werden zu Holzwerkstoffen

Seit der Teilnahme am sechsten Batch hat Agrona wichtige Schritte in Richtung Internationalisierung gemacht. Agrona produziert Holzwerkstoffplatten aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Tomatenstängeln und biobasierten Harzen. Das Unternehmen baut derzeit seinen Standort in Köln auf und wurde dabei mit dem Startup Welcome Package von NRW.Global Business unterstützt. Parallel läuft in Ägypten die Partnerschaft mit dem staatlichen Werk ATICO weiter: Dort werden inzwischen mehr als 1.000 Platten monatlich produziert, nachdem Agrona ins dortige Inkubationsprogramm aufgenommen wurde.

PragmaCharge: Infrastruktur für den emissionsfreien Güterverkehr

Das britische Startup PragmaCharge (Batch 8) entwickelt Lösungen für die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs – von Elektro-Lkw-Leasing über Ladeinfrastruktur bis hin zum digitalen Flottenmanagement. Seit der Teilnahme am Circular Economy Accelerator treibt PragmaCharge den Ausbau seiner Lösungen weiter voran. 2025 startete das Unternehmen gemeinsam mit dem Smart Freight Centre den "Poland-Germany Zero Emission Freight Corridor" und erhielt das Startup Welcome Package von NRW.Global Business.

„Der Erfolg unserer Alumni zeigt, dass der Circular Economy Accelerator weit mehr ist als ein mehrwöchiges Förderprogramm. Unser Ziel ist es, Unternehmen langfristig auf ihrem Wachstumskurs zu begleiten und sie mit Industrie, Wissenschaft und Investoren zu vernetzen. Wenn aus innovativen Ideen Unternehmen entstehen, die ihre Lösungen erfolgreich in die Praxis bringen, bestätigt das den Ansatz unseres Programms und stärkt zugleich die Kreislaufwirtschaft insgesamt", sagt Dr. Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Circular Valley Stiftung.

Die fünf Unternehmen stehen stellvertretend für viele weitere Erfolgsgeschichten aus dem Alumni-Netzwerk des Circular Economy Accelerators. Die Bewerbungsphase für den elften Batch des Circular Economy Accelerators ist inzwischen abgeschlossen. Derzeit werden die eingegangenen Bewerbungen gesichtet und Gespräche mit den vielversprechendsten Startups geführt. Die ausgewählten Gründerinnen und Gründer kommen im Oktober und November für mehrere Wochen in die Rhein-Ruhr-Region und durchlaufen dort das Programm. Höhepunkt ist der Demo Day auf dem Circular Valley Forum am 13. November, bei dem sie ihre Ideen vor einem großen Publikum vorstellen.
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Circular Valley ist der internationale Hotspot für die Circular Economy mit Sitz in der erweiterten Rhein-Ruhr-Region. Die gemeinnützige Circular Valley Stiftung bringt die relevanten Stakeholder an einen Tisch. Branchen- und technologieübergreifend entwickeln Unternehmen, Startups, Wissenschaft und Politik gemeinsam Lösungen für die Transformation zu einer echten Kreislaufwirtschaft. Öffentlichkeitsarbeit, der weltweit erste Circular Economy Accelerator und Politikempfehlungen sind die Schwerpunkte der Stiftung.