2026-07-01
Deutschland und Japan können bei der Kreislaufwirtschaft voneinander lernen
Beim Seminar in Tokio stellte Stiftungsvorsitzender Dr. Carsten Gerhardt auch die Arbeit von Circular Valley vor.
Quelle: NRW.Global Business Japan
Circular Valley baut den Austausch mit Japan weiter aus: Bei einem von NRW.Global Business organisierten Seminar in Tokio stellte Stiftungsvorsitzender Dr. Carsten Gerhardt mehr als 120 Vertreterinnen und Vertretern der japanischen Industrie die Chancen einer Zusammenarbeit im Bereich Circular Economy vor.
Welche Rolle kann die Kreislaufwirtschaft für die Zukunft führender Industriestandorte spielen? Um diese Frage ging es bei einem von NRW.Global Business in Tokio organisierten Seminar, bei dem Dr. Carsten Gerhardt die Aktivitäten von Circular Valley und die Potenziale einer Zusammenarbeit zwischen japanischen Unternehmen und dem Circular-Economy-Ökosystem in Nordrhein-Westfalen vorstellte.

Das Seminar knüpft an den bereits intensivierten Austausch zwischen Nordrhein-Westfalen und Japan an – unter anderem an die NRW-Delegationsreise im vergangenen Jahr mit NRW-Staatssekretär Paul Höller sowie den Japan-Wirtschaftstag in Düsseldorf im Mai. In den Gesprächen mit Unternehmen, Verbänden und Vertretern der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsförderung wurde deutlich: Deutschland und Japan stehen vor sehr ähnlichen Herausforderungen – und können erheblich voneinander lernen.

„Japan und Deutschland sind rohstoffarme Industrienationen, die ihren Wohlstand über viele Jahrzehnte auf hochwertige industrielle Produktion und Export aufgebaut haben“, sagt Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Circular Valley Stiftung. „Angesichts neuer globaler Wettbewerber und veränderter Wertschöpfungsketten eröffnet die Circular Economy beiden Ländern die Chance auf eine neue industrielle Revolution.“

Zukunftsaufgabe: Rohstoffe möglichst lange im Umlauf halten

Als rohstoffarme Volkswirtschaften verfügen Deutschland und Japan bereits heute über einen Großteil der Materialien, die ihre Industrien benötigen – allerdings werden diese noch nicht konsequent im Kreislauf geführt. Die Aufgabe der kommenden Jahrzehnte besteht darin, diese Rohstoffe möglichst lange im Umlauf zu halten und durch erneuerbare Energien zu ergänzen. Dies erhöht die Versorgungssicherheit, stärkt die wirtschaftliche Resilienz und schafft neue Geschäftsmodelle.

Die Gespräche mit Unternehmen und Branchenvertretern machten deutlich, dass Japan beim Thema Kreislaufwirtschaft eigene Stärken besitzt. So erreichen PET-Flaschen auch ohne Pfandsystem Rücklaufquoten von rund 90 Prozent. Möglich wird dies durch ein dichtes Netz an Sammelmöglichkeiten und ein ausgeprägtes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein.

Kreislaufwirtschaft ist auch eine gesellschaftliche und kulturelle Aufgabe

Auch im Alltag zeigt sich die hohe Bedeutung von Sauberkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme. Trotz vergleichsweise wenig öffentlicher Abfallbehälter bleiben Straßen und öffentliche Räume bemerkenswert sauber, weil viele Menschen ihre Verpackungsabfälle selbst wieder mitnehmen. Dies zeigt, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur eine technologische, sondern auch eine gesellschaftliche und kulturelle Aufgabe ist.

Zugleich weist Japan einen vergleichsweise hohen Verbrauch von Kunststoffverpackungen auf. Gründe hierfür sind unter anderem hohe Hygienestandards sowie die klimatischen Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit, die Verpackungen zum Schutz von Lebensmitteln erforderlich machen.

Gerade hier ergeben sich Chancen für eine verstärkte Zusammenarbeit mit Deutschland und insbesondere Nordrhein-Westfalen. In Japan besteht großes Interesse an Technologien zur Sortierung, Aufbereitung und zum Recycling von Kunststoffen wie Polyethylen und Polypropylen. Nordrhein-Westfalen gilt als führender Standort der Kunststoffindustrie und verfügt sowohl beim mechanischen als auch beim chemischen Recycling über umfangreiche Kompetenzen.

„Japan zeigt eindrucksvoll, wie gesellschaftliche Verantwortung und Ressourcenschonung im Alltag gelebt werden können. Deutschland und Nordrhein-Westfalen verfügen gleichzeitig über zahlreiche technologische Lösungen für die Kreislaufwirtschaft. Beide Seiten können voneinander profitieren“, so Gerhardt.

Große Unternehmen treiben auch in Japan Innovationen voran

Auch Unternehmen wie Henkel, Covestro oder Suntory treiben in Japan bereits innovative Ansätze voran – von trennbaren Klebstoffen für besser recycelbare Verpackungen bis hin zu neuen Lösungen für das Kunststoffrecycling und branchenübergreifenden Netzwerken zur Förderung der Circular Economy. Eindruck hinterließ zudem die Clean Ocean Materials Alliance (CLOMA), in der mehrere hundert Unternehmen gemeinsam an Lösungen für eine stärker kreislauforientierte Kunststoffwirtschaft arbeiten und technische Innovationen mit gesellschaftlichem Engagement verbinden.

Für die Circular Valley Stiftung unterstreicht dies das Potenzial einer engeren Zusammenarbeit zwischen Japan und Nordrhein-Westfalen. Die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft bietet beiden Industriestandorten die Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig unabhängiger von Primärrohstoffen zu werden.
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Über Circular Valley

Internationaler Hotspot für die Circular Economy
Circular Valley ist der internationale Hotspot für die Circular Economy mit Sitz in der erweiterten Rhein-Ruhr-Region. Die gemeinnützige Circular Valley Stiftung bringt die relevanten Stakeholder an einen Tisch. Branchen- und technologieübergreifend entwickeln Unternehmen, Startups, Wissenschaft und Politik gemeinsam Lösungen für die Transformation zu einer echten Kreislaufwirtschaft. Öffentlichkeitsarbeit, der weltweit erste Circular Economy Accelerator und Politikempfehlungen sind die Schwerpunkte der Stiftung.