2024-07-01
Circular Valley
Newsletter 2/2024
Uniting Industries for a Circular Tomorrow
2025 startet die erste Circular Valley Convention
Gemeinsam mit der Messe Düsseldorf präsentiert die Initiative für die Kreislaufwirtschaft Unternehmen und Ideen bei einer großen Zusammenkunft in der NRW-Landeshauptstadt. Der Termin: 12. und 13. März.
Der jüngste DemoDay von Circular Valley endete mit einer Überraschung. „Wir können heute offiziell die Partnerschaft mit der Messe Düsseldorf bekanntgeben und dass im kommenden Jahr die erste Circular Valley Convention stattfinden wird“, sagte Dr. Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Circular Valley Stiftung.
Das ist zum einen eine Messe, die zweite ganz wesentliche Komponente ist, dass dort vorgestellt wird, was es heute schon an marktreifen zirkulären Lösungen gibt und was in den kommenden drei bis fünf Jahren in den Markt kommen wird.

Carsten Gerhardt,
Vorsitzender der Circular Valley Stiftung
Dieses Novum in der Messelandschaft ist für den 12. und 13. März 2025 auf dem Areal Böhler in Düsseldorf geplant. Unter dem Motto „Uniting Industries for a Circular Tomorrow“ bringt die Veranstaltung führende Experten, Redner und Top-Entscheider aus verschiedenen Branchen zusammen, um die Transformation zur Circular Economy voranzubringen. Auf der Convention werden zirkuläre Lösungsstrategien von Redesign über Re-Use bis Recycling präsentiert und es werden die Fähigkeiten vermittelt, die Unternehmen fit für die Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft machen. Die Convention hat einen ganzheitlichen, branchen- und materialübergreifenden Ansatz.

Die Circular Valley Convention wird veranstaltet von der Messe Düsseldorf und der Circular Valley Stiftung unter wissenschaftlicher Begleitung des Instituts Fraunhofer UMSICHT. „Der bedeutendste Standort für Industriemessen in Deutschland und die Experten für Circular Economy bündeln ihre Kräfte“, sagt Gerhardt.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Aktionskünstler HA Schult. Das Bild seiner 1300 Trash People am Matterhorn ist das Key Visual der Convention. Damit schließt sich auch ein Kreis: Die Müll-Skulpturen von HA Schult hatten das erste Circular Valley Forum im November 2022 geschmückt und geprägt.

Die Internetseite der Convention ist nun online. Leserinnen und Leser des Circular-Valley-Newsletters erhalten dort einen exklusiven Rabatt: Verwenden Sie den Buchungscode CVSTIFTUNGCVC und sparen Sie 100 Euro auf Ihr Ticket. Zusätzlich erhalten Sie einen Early-Bird-Nachlass von 100 Euro, wenn Sie Ihr Ticket bis zum 15. November 2024 buchen.
Tickets, die Registrierungsmöglichkeit und weitere Informationen finden Sie auf www.cvc-duesseldorf.com

Kooperationen
Zusammenarbeit mit Flandern: Aus Vertrag wird Praxis
Im November 2023 haben die flämische und die nordrhein-westfälische Regierung eine grenzüberschreitende Kooperation in der Circular Economy vereinbart. Nun bestimmten sie drei Felder, in denen sie dies umsetzen.
Flandern und NRW verlieren keine Zeit. Vertreter der Umwelt- und Wirtschaftsministerien beider Regionen sind nun mit Circular Valley, Circular Flanders und Mitgliedern des Runden Tisches Zirkuläre Wertschöpfung NRW zusammengekommen. Gemeinsam haben die Experten drei Themen definiert, an denen sie grenzüberschreitend zusammenarbeiten wollen:
Zukunft der chemischen Industrie: Das Gebiet zwischen Antwerpen, Leverkusen und Marl ist Heimat zahlreicher großer Unternehmen der chemischen Industrie. Sie wollen und müssen ein wesentlicher Unterstützer der Kreislaufwirtschaft sein. Bisher steht die chemische Industrie vor allem am Anfang der Wertschöpfungskette. Sie wird künftig das Ende mit dem Anfang verbinden. Sie wandelt Konsumprodukte, die nicht mehr gebraucht werden, in Bestandteile und Stoffe um, die als neue Materialien wiederverwendet werden können. Diese Kompetenz hat nur die chemische Industrie.

Batterie-Recycling: In dem Maße, in dem die Länder mit Blick auf die Energiewende und das Pariser Abkommen elektrifizieren, benötigen sie Speichermöglichkeiten. Da es in Europa nur in geringem Maße die dafür erforderlichen Rohstoffe gibt, ist es essenziell wichtig, gute Recycling-Verfahren für Batterien zu entwickeln. So werden NRW, Flandern und der Kontinent in Zukunft unabhängig von Importen.

Baustoffe: Es gibt auf beiden Seiten der Grenzen exzellente Initiativen, die sich auf bestimmte Materialien und deren Nachverfolgung spezialisiert haben. Im Bausektor geht es deshalb vor allem darum, diese Akteure sichtbar zu machen und die Kräfte zusammenzuführen.

Grundlage für die Kooperation ist die Vereinbarung, die NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und sein flämischer Kollege Jan Jambon beim Circular Valley Forum unterzeichnet haben. Die beiden Regionen werden in den kommenden fünf Jahren Wissen austauschen, Pilotprojekte starten, Fachkräfte ausbilden und gemeinsam Fördermittel beantragen. „Wir wollen vormachen, dass es geht“, sagte Wüst.
Nordrhein-Westfalen und Flandern würden zum Kreislauf-Zentrum Europas und sich gemeinsam dafür einsetzen, die Materialkreisläufe „so weit wie möglich“ zu schließen.

Jan Jambon,
Ministerpräsident von Flandern
Die Vereinbarung der Nachbarn ist ausdrücklich offen für weitere Länder und Regionen.

Demo Day
Wie zwölf Startups Nachhaltigkeit mit Freude statt schlechtem Gewissen fördern
Beim DemoDay von Circular Valley haben junge Unternehmen aus der ganzen Welt ihre Ideen für die Kreislaufwirtschaft präsentiert. Sie entwickeln grüne Laster, stellen Holz her, ohne Bäume zu fällen, und verhindern, dass Plastik auf der Deponie landet.
Mitulkumar Suthar zeigt zu Beginn seiner Präsentation ein Foto von sich und einer gewaltigen Turbine. Der Ingenieur hat viele Jahre lang solche Antriebe für die großen Flugzeughersteller mitentwickelt – bis er beschloss, seinen Erfindergeist anders einzusetzen. Statt CO2-Emissionen zu verursachen, verhindert er sie nun. Er hat eine Technik entwickelt, die bei Lastern die Schadstoffe noch am Fahrzeug einfängt, umwandelt und wieder nutzbar macht. Suthar gründete deshalb in der Schweiz das Startup Qaptis, setzte sich damit gegen mehrere hundert Bewerber durch und überzeugte die Jury des Förderprogramms der Initiative Circular Valley in der erweiterten Rhein-Ruhr-Region.

So wie dem Ingenieur aus Indien ging es weiteren zwölf Gründerinnen und Gründern aus der ganzen Welt. Sie wurden in NRW gefördert und präsentierten Ende Mai beim DemoDay von Circular Valley ihre Geschäftsmodelle mehr als 200 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. In den Wochen zuvor hatten sie zahlreiche Geschäftsführer getroffen, Industrie-Unternehmen besucht und mit hochkarätigen Coaches gearbeitet. So brachten sie, wie inzwischen mehr als 100 Startups, dank Circular Valley ihre Idee für die Kreislaufwirtschaft entscheidend voran.

Einer der Impulsgeber war der Sprecher des Vorstands von Vorwerk, Dr. Thomas Stoffmehl. In der Rede, mit der er den DemoDay eröffnete, gab er den Startups einen zentralen Gedanken mit: Ein Produkt könne noch so gut und nachhaltig sein, entscheidend für seinen Erfolg sei es, dass man Menschen dafür begeistert – im eigenen Unternehmen und bei den Verbrauchern. Gerade nachhaltige Produkte müssten raus aus der „negativen Ecke“. Man müsse betonen, was sie Positives bewirken und wie sie Freude machen, sagte Stoffmehl.

Die Präsentationen der Startups zeigten, dass die Worte schon Wirklichkeit geworden sind. Und das in allen drei Bereichen, die die Schwerpunkte dieser Förderrunde von Circular Valley bildeten: alternative Rohstoffe, Orchestrierung der Wertschöpfungskette und chemisches Recycling.

Irene Purasachit hat sich zum Beispiel die Freude an Natur und Blumen zurückgeholt. Als Floristin erfuhr sie, dass 40 Prozent der Blumen auf dem Müll landen, ohne je in der Hand eines Kunden gewesen zu sein. Deshalb entwickelt sie mit ihrem Unternehmen Flower Matter aus diesen Abfällen einen Bio-Schaum, der Kunststoffe ersetzt. Weitere Idee für alternative Rohstoffe waren bio-basierte Holzpanelen und kunststoff-freie Verpackungen aus landwirtschaftlichen Abfällen.

Elisa Alonso lernte als Kind, dass man Essen nicht wegwerfen soll. Als Erwachsene musste sie feststellen, dass Lebensmittel tonnenweise in Containern in der Welt unterwegs sind und verderben, weil die passenden Informationen zu Ort und Lagertemperatur fehlen. Deshalb kreiert ihr Startup CL Circular Sensoren und Programme, die alle wichtigen Daten liefern. Unternehmen wissen nun immer genau, was wo ist und welche die Bedingungen dort herrschen. Wie man KI noch für die Circular Economy einsetzen kann, um zum Beispiel aus den Abfällen des einen Unternehmens den Wertstoff eines anderen zu machen, zeigten weitere Gründer im Circular Valley.

Für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft wird neben mechanischer Wiederaufbereitung auch chemisches Recycling immer wichtiger. Als Knackpunkt gilt bisher vor allem der Preis. Beim DemoDay zeigten drei Gründer, dass das nicht so bleibt. Gonzalo Izquierdo von Blueplasma Power erläuterte, wie man aus Hausmüll grünen Wasserstoff und kreislauffähige Kohlenstoff-Produkte herstellt. Bernadita Jose Diaz Soto veranschaulichte, dass in ihrem Startup Grafit aus alten Reifen genommen und in Batterien wieder eingesetzt wird.

In diese Reihe gehörte auch Mitulkumar Suthar, der berichtete, wie CO2 den Truck niemals verlässt. Diese Technik soll künftig auf Generatoren und Schiffe übertragbar sein. Der Ingenieur wird also bald ein neues Foto in seiner Präsentation haben, das ihn neben einer beeindruckenden Erfindung zeigt.

Batch#6
Der perfekte Stundenplan für die Startups
Wenn die jungen Unternehmer ins Circular Valley kommen, entwickeln sie ihre Idee aus zahleichen Blickwinkeln und mit vielen Unterstützern weiter: durch Trainings und persönlichen Austausch, Besuche in der Industrie – und einen heißen Stuhl.
Es geht um mehr Selbstbewusstsein und Zweifel, präzisere Vorträge und Geschäftsmodelle – an diesen Zielen haben die zwölf Startups der sechsten Förderrunde des Circular Economy Accelerators im April und Mai intensiv gearbeitet. Das Team von Circular Valley hat dafür ein umfangreiches und gut gemischtes Programm zusammengestellt.

Die Gründerinnen und Gründer haben auf drei Wegen ihre Konzepte entscheidend vorangebracht:
Coachings: Täglicher Programmpunkt war die Arbeit mit hochkarätigen Trainern und Mentoren, sowohl Vertretern der Praxis als auch Spezialisten für einzelne Aspekte im Umfeld von Gründung und Wachstum. Mit der Effizienzagentur NRW and CIRCO haben die Startups das Design ihres Geschäftsmodells hinterfragt und neue Denkmethoden gelernt. Prof. Henning Wilts and Lucille Wulffwill vom Wuppertal Institut stellten ihnen Ökobilanzen vor – auch im Hinblick auf deren Innovationspotential. In der Session Prof. Nadine Pratt und dem Team von der FOM-Hochschule vertieften die Beteiligten ihr Wissen über nachhaltige Geschäftsmodelle und die jüngsten Forschungsergebnisse dazu.

Die Themen der Coachings waren vielfältig: Markus von Blomberg (Mello) erklärte, wie man Investoren richtig anspricht, Samir Salameh, Professor für mechanische Verfahrenstechnik und Kreislaufwirtschaft an der FH Münster, übte passend dazu, wie man Wissenschaft leicht verständlich vermittelt. Dr. Samuel Königshofen und Ivo Stute, Patentanwälte bei Lenzing, Gerber und Stute, machten die Startups im IP-Recht fit, Peter Schmetz von Vorwerk Ventures erläuterte das Thema Venture Capital. Teams von EY und Kearney bereiteten die Startups perfekt auf künftige Pitches und Präsentationen vor, Susanne Oliver präsentierte EU-Funding-Möglichkeiten. Sebastian Daus von Fix First sprach über Lean-Methoden, Arne von Hofe (CSCP) über digitale Circularity-Tools.
Coachings
Abgerundet wurden diese Einheiten durch Workshops zu Körpersprache, Medienkommunikation, Social Media und zum richtigen Umgang mit Gefühlen, Störungen und Scheitern.
Exkursionen: Die erweiterte Rhein-Ruhr-Region bietet eine einmalige Dichte von mittelständischen und börsennotierten Industrie-Unternehmen. Davon profitieren die Circular-Valley-Startups in besonderem Maße. Sie lernen die produzierenden Betriebe von innen kennen und entwickeln so eine präzise Vorstellung, was die Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle in der Praxis bedeutet. In den vergangenen Monaten haben Knipex, Vorwerk, Lhoist, Bayer und die Schwebebahn-Werkstatt solche exklusiven Besuche möglich gemacht.
Exkursionen
Unternehmensbesuche bei Knipex, Vorwerk, Lhoist, Bayer und den WSW
Persönlicher Austausch: Neben den Workshops und den Treffen vor Ort stehen auf dem „Stundenplan“ der Startups auch Begegnungen mit Experten und Entscheidern, die bewusst offen gestaltet sind. Diese wichtigen Gesprächspartner kommen ebenso aus der etablierten Wirtschaft und Hochschulen wie aus jungen Firmen, die als Alumni mit Circular Valley verbunden sind, wie zuletzt etwa die Gründer von Rhinopaq und Bioweg. Weitere Gesprächspartner waren Till Rösnick (Wepa) und Hendrik Wehr (Vorwerk).

Eine besondere Form dieses direkten Austauschs sind im Circular Valley die Hot-Chair-Sessions. Die Gäste, die auf diesem besonderen Möbelstück Platz nehmen, stellen sich allen Fragen der jungen Unternehmer und helfen ihnen mit ihrer Offenheit noch einmal besonders weiter. In der jüngsten Runde des Förderprogramms diskutierten sie mit Channing Robertson von der Stanford University, Carsten Vollmar (Vorwerk), Timo Flessner (Bayer), Jens Busse (Evonik), Dr. Dorothee Becker (Gebrüder Becker), Dr. Christian Untrieser (CDU-Landtagsabgeordneter) sowie Till von den Driesch und Cornelius Laaser aus den NRW-Ministerien für Wirtschaft beziehungsweise Umwelt und Verkehr.
Hot Chairs
Neben den Workshops und den Treffen vor Ort stehen auf dem „Stundenplan“ der Startups auch Begegnungen mit Experten und Entscheidern, die bewusst offen gestaltet sind.

TraWeBa
Volles Programm für und mit 150 Batterie-Experten
Das Konsortium zur Wertschöpfungskette Batterie TraWeBa hat einen sehr erfolgreichen Auftakt-Kongress erlebt: Es kamen so viele Gäste und Programmpunkte zusammen, dass ein Tagungsraum nicht ausreichte.
Vernetzung ist noch wichtiger als gedacht – das ist eines der zentralen Ergebnisse des TraWeBa-Kongresses in Wuppertal. Circular Valley hatte im Auftrag des Konsortiums zur Wertschöpfungskette Batterie dieses Auftakt-Treffen organisiert, rund 150 Expertinnen und Experten kamen so Anfang Juni zusammen. In Vorträgen und Diskussionen beschäftigten sie sich mit allen Facetten des Themas von der Forschung bis zum Recycling. Das Programm hatte so viele Punkte und lockte so viele Interessenten an, dass die Tagung auf zwei Räume verteilt werden musste.

Andreas Mucke, Geschäftsführer des Circular Economy Accelerator GmbH, zog ein positives Fazit: „Wir bauen das Netzwerk seit einem Jahr auf und der Kongress hat nun gezeigt, wie weit wir schon gekommen sind. Es gibt in Deutschland viele wichtige Forschungsprojekte zum Thema und eine Menge Unternehmen – aber die Batterie-Landschaft ist zersplittert.“ Deshalb sei es so wichtig, dass TraWeBa alle Akteure sichtbar macht. Gemeinsam könne man dann Felder rund um das Thema Batterie finden und besetzen, in denen Deutschland führend werden kann beziehungsweise die führende Rolle behauptet werden muss.

Die Abkürzung TraWeBa steht für Transformations-HUB Wertschöpfungskette Batterie und ist ein Zusammenschluss verschiedener Partner aus ganz Deutschland, um eine zentrale Energie-Frage zu lösen. Partner von Circular Valley in diesem Konsortium sind das Automotive-Cluster Ostdeutschland, die Automotive-Agentur Niedersachsen, die Initiative für Innovation und Standort im Saarland und vier Fraunhofer-Institute. Länderübergreifend erarbeitet man ein Konzept, um einen Wissens- und Technologietransfer entlang der Wertschöpfungskette der Batterie zu ermöglichen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert diesen Ansatz über einen Zeitraum vom 1. Dezember 2022 bis 30. Juni 2025.

Im Projekt werden Unternehmen der Automotive- und der Zuliefer-Branche sowie mittelbar in der Lieferkette beteiligte Firmen zum Stand von Technik und Forschung befragt. So wird ermittelt, wo welche Schwerpunkte in Deutschland liegen und welche Defizite die Branche wahrnimmt.
Der zweite TraWeBa-Kongress ist für Februar 2025 geplant.

The Cradle
Partnertalk im wiederverwendbaren Gebäude
Die Mitglieder des Circular-Valley-Netzwerks haben sich im Juni an einem besonderen Ort getroffen: „The Cradle“ im Düsseldorfer Medienhafen ist ein Musterbeispiel für zirkuläres Bauen. Thema des Abends: Potentiale für die deutsche Wirtschaft.
Kann man sich einen passenderen Ort vorstellen, um über den Weg zur Kreislaufwirtschaft zu diskutieren, als ein Gebäude, das nach Cradle-To-Cradle-Prinzipien designt und gebaut wurde? Aus diesem Grund fand der Circular-Valley-Partnertalk Anfang Juni in „The Cradle“ in Düsseldorf statt. Beim Bau des Gebäudes kam viel Holz zum Einsatz, und die Bauteile können nach einer Demontage leicht an anderer Stelle wieder eingesetzt werden. Die Materialien sind auf der Plattform von Madaster gelistet, so dass alle Elemente im Sinne der Kreislaufwirtschaft einen Wert zugewiesen bekommen. Madaster ist ein Startup, das an der zweiten Runde des Circular-Economy-Accelerator-Programms teilgenommen hat.

Inhaltlich ging es bei diesem Partnertalk um die Frage, welche Anreize für Unternehmen geschaffen werden können, um zirkulärer und nachhaltiger zu wirtschaften. In diesem Zusammenhang wurden auch die rechtlichen Rahmenbedingungen beleuchtet. Dr. Claas Oehlmann, Geschäftsführer der BDI-Initiative Circular Economy, erläuterte in seinem Vortrag Chancen und Potenziale der Circular Economy für die deutsche Wirtschaft.

In der anschließenden Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass einheitliche Rahmenbedingungen im europäischen Binnenmarkt notwendig sind. Diese müssten so gesetzt werden, dass sie Verlässlichkeit und fairen Wettbewerb durch gleiche Regeln für alle gewährleisten. Zugleich dürfen Detailregelungen das Ganze nicht zu sehr einengen, es muss Raum für kreative Lösungen geben.

Es gilt also eine Balance zu finden: Regulierung sollte so gestaltet sein, dass sie Kreativität und Wettbewerb fördert, ohne die Unternehmen unnötig – etwa durch zu viel Bürokratie – zu belasten. Die Unternehmensvertreter wünschten sich, dass die Politik die Ziele vorgibt und nicht den Weg dorthin.

Das Fazit des Abends: Es braucht Mut und Initiative, um vom Reden ins Tun zu kommen, loszulegen und zum Vorreiter der Zirkularität zu werden. Dass genau dies möglich ist, bewies das Gebäude, in dem sich die Anwesenden befanden.

Kooperationen
Starke neue Partner für Circular Valley
Der Duisburger Hafen und Lufthansa Industry Solutions gehören nun zum Netzwerk für die Kreislaufwirtschaft. Die beiden bringen Expertise in Logistik und für Software-Lösungen mit.
Der Austausch zwischen Unternehmen ist eine der großen Möglichkeiten und Stärken, die Circular Valley seinen Partnern bietet. In vertrauensvollen Gesprächen erörtern die Repräsentanten Herausforderungen der Circular Economy und Erfahrungen, die sie mit ihren Lösungen gemacht haben. In diesem Kreis gibt es jetzt zwei weitere starke Partner: den Duisburger Hafen (duisport-Gruppe) und Lufthansa Industry Solutions.
Wenige Zahlen genügen, um die Bedeutung von duisport zu veranschaulichen: Er erzielt ein Umschlagvolumen von 4,0 Mio. TEU (20-Fuß-Standard-Container). Damit ist der Duisburger Hafen der größte Hinterland-Hub Europas und der größte Binnenhafen weltweit. Die rund 300 logistikorientierten Unternehmen, die im Duisburger Hafen ansässig sind, generieren eine Wertschöpfung von rund drei Milliarden Euro pro Jahr.

In ihre Partnerschaft mit Circular Valley bringt die Gruppe großes logistisches Wissen mit. Die Verkehrsträger Wasser, Schiene und Straße werden in Duisburg perfekt vernetzt, um Transportketten so effizient, ressourcenschonend und kostengünstig wie möglich zu gestalten.
Für den Erfolg der Circular Economy wird es wesentlich darauf ankommen, eine umgekehrte Logistik zu schaffen. Duisport ist dafür ein hervorragender Partner.

Carsten Gerhardt,
Vorstand der Circular Valley Stiftung

Lufthansa Industry Solutions
Photo: Lufthansa Industry Solutions
Die Lufthansa Industry Solutions ist ein IT-Dienstleister mit mehr als 2500 Mitarbeitenden. Der Kreis der rund 300 Kunden reicht weit über die Luftfahrt hinaus. Diese stammen aus der Industrie und der Automobilbranche oder sind im Verlagsgeschäft, Tourismus, Energie- oder Healthcare-Sektor tätig – vom Mittelständler bis zum Dax-Konzern. Ihre Gemeinsamkeit: Sie müssen ihre IT entlang der gesamten Wertschöpfungskette so gestalten, dass sie dadurch Kosten reduzieren und gleichzeitig nachhaltig Erlöse und Effizienz erhöhen können.

Das Netzwerk bekommt mit Lufthansa Industry Solutions also einen Partner, der Experte für Digitalisierung und Automatisierung ist.
Für die Circular Economy ist dies insbesondere mit Blick darauf wichtig, Materialien entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erfassen und zu verfolgen. So ist dann das Wissen vorhanden, um den Kreis tatsächlich schließen zu können.

Neue Bewerbungsrunde
Startups können sich für neue Förderrunde bewerben
Circular Valley unterstützt im Herbst erneut junge Unternehmen, die mit ihren Ideen die Kreislaufwirtschaft voranbringen. Ein Vorzug des Programms: Die Gründer können ihre Geschäftsmodelle am Ende vor mehreren hundert potentiellen Partnern präsentieren.
Mehr als 100 Startups von fünf Kontinenten sind inzwischen im Circular Valley gewesen und haben hier ihre Konzepte entscheidend weiterentwickelt. So sind zahlreiche Partnerschaften mit der etablierten Wirtschaft und renommierten Forschungseinrichtungen entstanden. Aus Ideen wurden Erfolgsgeschichten, die in großem Umfang Emissionen verhindern. Nun erhalten die nächsten Gründer die Chance auf diesen Schub.
Bewerbungen
Bis zum 28. Juli sind Bewerbungen für die neue Förderrunde von Circular Valley möglich. Die Interessenten sollten einen der folgenden Schwerpunkte haben:
  • Regenerative Energie und Energiespeicherung
  • Mechanisches Recycling von Kunststoffen: alle Sektoren, das heißt von Agrarfolien und Automobilbau über Baustoffe (unter anderem Kunststofffenster) bis zu Verpackungen
  • Zirkuläre Nutzung von Maschinen, Anlagen, Geräten und Einrichtungsgegenständen inklusive Möbeln
Die Jury der Circular Valley Stiftung wird die spannendsten Geschäftsmodelle im Sommer auswählen. Die Startups kommen dann im Herbst in die erweiterte Rhein-Ruhr-Region und arbeiten hier mit hochkarätigen Coaches und Mentoren, treffen Spitzenvertreter aus Unternehmen, Politik und Wissenschaft, und lernen die Praxis aus erster Hand kennen.

Höhepunkt der Förderrunde ist der DemoDay. Er findet diesmal im Rahmen des Circular Valley Forums am 15. November statt. Das bedeutet für die jungen Unternehmen die Möglichkeit, sich vor mehreren hundert Entscheidern und möglichen Partnern zu präsentieren.
Gefördert durch
Weitere Details und die Bewerbungsunterlagen sind unter https://circular-valley.org/tender_batch7 zu finden.

Impact
Eine Fabrik für Startup-Ideen
Wenn aus Konzepten Produkte werden sollen, stehen junge Unternehmen vor einer großen Herausforderung. Circular Valley, mehrere Hochschulen und 60 Partner wollen dieses Thema angehen. Dabei legen sie auf einen Punkt besonderen Wert.
Das Bundeswirtschaftsministerium strebt Zusammenschlüsse aus Privatwirtschaft und Hochschulen an, die Hubs für etablieren. Dies per se ist ja schon seit 2021 das Anliegen von Circular Valley. Ein kürzlich erfolgter Förderaufruf des Bundeswirtschaftsministeriums hat Circular Valley, mehrere Universitäten und weitere Unterstützer inspiriert. Sie wollen nun eine Circular Impact Factory schaffen, in der junge Unternehmen ihre Ideen für die Kreislaufwirtschaft praktisch weiterentwickeln können, die zugleich einen positiven gesellschaftlichen Nutzen („Impact“) haben. Mit dabei sind die Uni Hamburg, die Technische Universität München, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde sowie rund 60 Unterzeichner eines entsprechenden Letters of Intent.

Die Partner sind gleichmäßig über die Republik verteilt und wollen das Ganze deshalb auch deutschlandweit angehen. Dabei ist eines für sie ganz wichtig: Die Startups, die in die Circular Impact Factory aufgenommen werden, müssen Wert auf den sozialen Nutzen ihrer Idee legen. Das kann unter anderem bedeuten, dass sie sich dafür engagieren, hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen.

Ein Beispiel für ein solches Unternehmen ist das Circular-Valley-Startup Plastic Fischer. Es hat ein System für Netze entwickelt, die Plastikmüll aus Flüssen filtern. Der Abfall wird anschließend sortiert und möglichst wiederverwertet. In Indien und Indonesien sind so mehr als 80 qualifizierte und sichere Jobs entstanden.

2024-2025
Save the date
Juli 28, 2024
Online
Circular Valley® Batch#7 Bewerbungsrunde
Bis zum 28. Juli sind Bewerbungen für die neue Förderrunde von Circular Valley möglich. Weitere Details und die Bewerbungsunterlagen sind unter https://circular-valley.org/tender_batch7 zu finden.
November 15, 2024
Stadthalle Wuppertal
Circular Valley® Forum
Das Forum ist das große Treffen der Circular Economy in Deutschland und bringt Gäste aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Sie tauschen sich über den aktuellen Stand der Transformation hin zu einer zirkulären Wirtschaftsweise aus, lernen Lösungen für aktuelle Herausforderungen und neue Geschäftsideen kennen.
März 12-13, 2025
Düsseldorf, Areal Böhler
Circular Valley Convention
Die Circular Valley Convention ist die Plattform für die industrielle Kreislaufwirtschaft. Sie bildet die ganze Bandbreite der Circular Economy in all ihren Dimensionen ab und bringt Top-Entscheider aus Unternehmen, Start-ups, Forschung, Politik und Gesellschaft an einem Ort zusammen.